Bringt mehr Überwachung wirklich mehr Sicherheit? Teil 1

Bringt mehr Überwachung wirklich mehr Sicherheit? Teil 1

Der Ruf nach mehr Überwachung nach einem Terroranschlag folgt mittlerweile so sicher wie das Amen im Gebet. Doch bringt mehr Überwachung automatisch mehr Sicherheit? Müssen wir tatsächlich unsere Privatsphäre opfern, um in Zukunft nicht mehr in Angst leben zu müssen? Und ist Überwachung wirklich der einzige Weg, um der Terrorgefahr entgegen zu wirken?

Aus Sicht der Statistik

Um potenzielle Terroristen aus Unmengen an Daten herausfiltern zu können, benötigt man sehr genaue Prüfkriterien nach denen gesucht wird. Bei so manchen Verbrechen mögen diese recht einfach auffindbar und mit wenig Aufwand überprüfbar sein, so z.B. Kreditkartenbetrug. Werden plötzlich teure Luxusgüter gekauft oder hohe Geldbeträge abgebucht, so läuten beim zuständigen Institut die Alarmglocken. Ob dies nun ein Fehlalarm war, lässt sich schnell und unkompliziert mittels Anruf beim Kartenbesitzer feststellen.

Beim Thema Terror hingegen ist dies wesentlich komplizierter. Da sich Taktiken und Herangehensweisen von Terroranschlägen stets unterscheiden, lässt sich relativ schwer ein klares Profil erstellen. Weiters lassen sich Fehleinschätzungen nur schwer überprüfen. Ein schlichter Anruf genügt hier leider nicht. Die schwer zu definierenden Prüfkriterien und die schlecht überprüfbaren, potenziellen Fehleinschätzungen lassen daher viel Raum für Fehler.

Der Psychologieprofessor Floyd Rudmin hat sich bereits im Jahr 2006 dem Thema aus Sicht der Statistik angenommen. Um das Ganze also aus Sicht der Mathematik zu betrachten braucht man die folgenden Werte (Oder besser gesagt Annahmen, da wir die genauen Werte nicht kennen.):

  • Der Terroristenanteil in der Gesamtbevölkerung
  • Die Identifizierungsrate: Wenn ein Terrorist getestet wird, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser als Terrorist identifiziert wird?
  • Die Fehlidentifizierungsrate: Wenn ein unschuldiger Bürger getestet wird, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zu unrecht als Terrorist klassifiziert wird?

So wie die Identifizierungsrate niemals 100% ausmachen kann, so wird auch die Fehlidentifizierungsrate niemals 0 erreichen. Es werden also immer Terroristen nicht als solche erkannt werden und auf der anderen Seite unschuldige BürgerInnen fälschlicherweise als Terroristen beschuldigt werden. Fehler passieren eben.

Nehmen wir also zum Beispiel Wien, um zu verdeutlichen, was diese Fehler bedeuten könnten. Runden wir der Einfachheit halber die Einwohnerzahl Wiens auf 2 Millionen Einwohner. Wenn wir nun davon ausgehen, dass 20 potenzielle Terroristen in Wien leben und die Polizei mit 90% Wahrscheinlichkeit feststellen kann ob es sich bei einer Person um einen Terroristen handelt und die Fehlidentifizierungsrate bei gerade einmal 0,1 Prozent liegt, dann ergibt diese Methode die folgende Zahlen: 18 Personen würden korrekt als potenzielle Terroristen identifiziert werden. Gleichzeitig würden durch die Fehlidentifizierungsrate von 0,1% aber auch 2000 unschuldige Bürgerinnen und Bürger als potenzielle Terroristen eingeordnet. Die Folge davon wären nun wochenlange bzw. monatelange Überwachungen von unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern, ungerechtfertigte Vernehmungen und das treten der Bürgerrechte.

Weiters zeigt sich auch, dass in vielen Fällen die Täter bereits amtsbekannt sind. Das Problem liegt also nicht beim Mangel an Daten, sondern an deren Auswertung und der Verwendung dieser. Werden nun weitere Überwachungstools in Stellung gebracht wird also lediglich der Heuhaufen größer in denen es gilt die Nadeln zu finden.

Quelle 1
Quelle 2

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