Bringt mehr Überwachung wirklich mehr Sicherheit? Teil 2

Bringt mehr Überwachung wirklich mehr Sicherheit? Teil 2

Im zweiten Teil dieser Beitragsreihe möchte ich mich dem allseits bekannten und durchaus beliebten Ausspruch: „Ich hab ja nichts zu verstecken!“ widmen. Kann man diese Aussage wirklich mit gutem Gewissen im Raum stehen lassen? Hat jemand der nichts Kriminelles getan hat, tatsächlich nichts zu verstecken bzw. zu befürchten? In einer Zeit in der unsere Daten nicht mehr bloß aus unserer Anschrift, Telefonnummer und Bankkonto bestehen ist es schwer vorstellbar welche Daten von Unternehmen und Regierungen gesammelt werden und für welche Zwecke diese eingesetzt werden. Daher möchte ich euch mit diesem Artikel die Wichtigkeit des Themas Datenschutz näherbringen und so aufzeigen, welche Schattenseiten Überwachung mit sich bringen kann.

Ich habe ja nichts zu verstecken!

Gerade durch die Komplexität des Themas Datenschutz befassen sich viele Menschen gar nicht erst damit. Dennoch verwendet man tagtäglich dutzende Apps, kauft fleißig mit der Vorteilskarte ein und sendet die persönlichsten Informationen mittels Kurznachricht an Freunde und Bekannte. Wir leben in einer Welt in der Daten, das neue Gold sind. Wir können diesem Thema also gar nicht aus dem Weg gehen, sondern sollten uns zumindest grundlegend damit beschäftigen. Denn ob wir es wollen oder nicht, wir können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und dann in ein paar Jahren sagen „Davon habe ich nichts gewusst!“

Unternehmen investieren horrende Summen, um möglichst viel über ihre Kundschaft in Erfahrung zu bringen. Natürlich geschieht dies nicht um den Kunden ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen, sondern um diese manipulierbar zu machen. Da Unternehmen mit diesen Daten ein sehr genaues Persönlichkeitsprofil erstellen können, nutzen sie es zum Beispiel um passgenaue Werbung an den jeweiligen Kunden zu schicken. Dadurch manipulieren Firmen unser Kaufverhalten ohne, dass es denn meisten Menschen tatsächlich bewusst ist. So kommt es z.B. dazu, dass nach einer Werbekampagne zwar die Verkaufszahlen steigen, eine Kundenbefragung allerdings ergibt, dass Kunden Werbung als nicht relevant für ihre Kaufentscheidung empfinden.

Gib mir mal dein E-Mail Passwort

Kaum jemand würde einer anderen Person einfach so sein privates E-Mail Passwort verraten. Denn was geht es eine andere Person an was und mit wem man schreibt, oder? Eben. Dies erscheint einer jeden Person absolut logisch, denn ein Mensch der nach einem Passwort fragt ist etwas Konkretes, etwas das man anfassen kann. Der Staat oder ein Unternehmen hingegen ist da schon eher ein abstraktes Gebilde. Unsere Daten an sich sind schon etwas Abstraktes und oft schwer Vorstellbares, wenn diese nun auch noch mit einem ungreifbaren Staat in Verbindung gebracht werden, verlieren wir schnell den Überblick und das Thema wird uns zu komplex. Wir verlieren also den Bezug dazu und erahnen gar nicht, was für Konsequenzen die Herausgabe von Daten mit sich bringen könnte.

Im Auge des Betrachters

Wer definiert eigentlich ob jemand etwas zu verstecken hat oder nicht? Ein jeder selbst? Jein, denn auch wenn es für einen selbst vielleicht den Anschein macht, dass man weder etwas Auffälliges geschweige denn etwas Illegales getan hat, so weiß man nie, wonach andere Personen, Unternehmen oder Regierungen potenziell suchen könnten. Die natürlichsten Verhaltensmuster können aus der Perspektive von jemanden, der gezielt Kriminelle ausfindig machen möchte, bereits völlig anders interpretiert werden. Es liegt also immer im Auge des Betrachters, was interessant ist und was nicht.

Was heute noch als harmlos gilt, ist es morgen vielleicht nicht mehr

Da leider niemand dazu imstande ist in die Zukunft zu blicken, können wir nur schwer behaupten, dass gewisse Aussagen oder Handlungsweisen auch in Zukunft keinerlei Problem darstellen werden.

Große Datenmengen sind immer ein Risiko

Egal, aus welchen Gründen Daten erhoben werden, große Datenmengen stellen immer ein großes Risiko dar. Denn diese könnten zum Beispiel gestohlen werden und dadurch Kriminellen in die Hände fallen oder aufgrund eines Fehlers sogar öffentlich zugänglich gemacht werden. Der beste Weg um dieses Risiko zu minimieren ist also eine gewisse Sparsamkeit beim Umgang mit persönlichen Daten. Wenn Daten gar nicht erst erhoben werden, können diese auch nicht in die falschen Hände geraten oder anderwärtig genutzt werden.

Ohne Privatsphäre verlieren wir unsere Persönlichkeit

Wenn wir Kinder permanent kontrollieren und in alles vorgeben, so bekommen diese nie die Möglichkeit selbstständig zu denken. Wir nehmen ihnen also die Chance, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Was für Kinder gilt, gilt selbstverständlich auch für Erwachsene. Wenn alles was wir tun vom Staat überwacht wird, so werden wir in Zukunft darauf bedacht sein möglichst keine Fehler zu machen und so korrekt wie möglich nach den vorgegebenen Regeln zu leben. Dies führt dazu, dass früher oder später niemand mehr ausspricht, was er tatsächlich denkt, da man sich davor fürchtet, dass Aussagen negativ aufgefasst werden und negative Konsequenzen auslösen könnten. Wir würden verlernen selbst zu denken und dadurch den Weg für gesellschaftliche Veränderungen blockieren und im schlimmsten Fall sogar den Weg für eine antidemokratische Regierungsform ebnen.

Alle Macht geht vom Volk aus

Als Bürger eines demokratischen Landes wie Österreich ist es unsere Pflicht die Bürokratie zu kontrollieren. Es ist unsere Verantwortung unsere Stimme gegen Fehlentwicklungen zu erheben und so dafür zu sorgen, dass Dinge wie Korruption, Freunderlwirtschaft und andere Arten von Machtmissbrauch auch als solche entlarvt und angeklagt werden. Geben wir nun die Verantwortung ab und lassen uns vom Staat kontrollieren, so verlieren wir auch die Möglichkeit Fehlentwicklungen entgegen zu wirken.

Mit anderen Worten

Überwachung sorgt für Einschränkungen unserer Privatsphäre. Überwachung führt dazu, dass wir manipulierbar, gläsern und kontrollierbar werden. Sie kann den Weg für antidemokratische Regierungen ebnen, Menschen dazu verleiten nicht mehr von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen und sie sät Misstrauen. Überwachung sorgt für riesige Mengen an Daten, die gespeichert werden und damit ein großes Risiko darstellen. Überwachung steht für Einschränkung, Kontrolle, Misstrauen und Generalverdacht. Wollen wir tatsächlich, dass unsere Zukunft durch diese Schlagworte gestaltet wird?

Das Schlusswort dieses Artikels überlasse ich Edward Snowden:

„Diese Menschen suchen nach Kriminellen. Du kannst der unschuldigste Mensch der Welt sein, aber wenn jemand, der nach Anzeichen von Straffälligkeit sucht, deine Daten durchsucht, findet er nicht dich – er findet einen Kriminellen.“ Edward Snowden

Quelle

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