Der Spitzel namens WhatsApp

Der Spitzel namens WhatsApp

Es gibt nur wenige Apps, denen es gelingt, auf nahezu jedem Smartphone vertreten zu sein und WhatsApp gehört definitiv dazu. Dennoch habe ich mich bewusst entschieden diese und einige andere Apps nicht auf meinem Handy zu installieren. Warum? Primär aus Datenschutzgründen aber nicht ausschließlich.

Aber WhatsApp nutzt doch Verschlüsselung?

Ja auch WhatsApp schreibt sich seit einiger Zeit Verschlüsselung auf die Fahnen und das war auch ein notwendiger und wichtiger Schritt. Denn dadurch können auch Menschen ohne technisches Verständnis Verschlüsselung einsetzen und diese wird in Zukunft noch viel wichtiger als sie es ohnehin schon ist.

Doch wenn niemand meine Nachrichten mitlesen kann, was ist dann das Problem bei WhatsApp? Nun, zum einen handelt es sich bei WhatsApp um so genannte proprietäre bzw. closed Source Software. Das bedeutet, dass der Programmcode nur für die Entwickler einsehbar ist und NutzerInnen keine Möglichkeit haben sich von den Sicherheitsstandards selbst zu überzeugen. Grundsätzlich ist dies nichts Ungewöhnliches. Ganz im Gegenteil, die meisten Programme, die sich heutzutage großer Beliebtheit erfreuen sind ebenfalls proprietär. Egal, ob Betriebssysteme wie Windows und MacOS oder Programme wie Adobe Photoshop und Microsoft Office, proprietäre Software ist weitverbreitet.

Um das Problem dahinter verständlicher zu machen, möchte ich ein kleines Beispiel geben. Wenn ein Unternehmen verspricht, ab sofort Verschlüsselung einzusetzen, dann ist das gut und schön. Welche Verschlüsselung allerdings zum Einsatz kommt oder wie diese eingebaut wurde, bleibt aber meist Betriebsgeheimnis. Im Falle von WhatsApp weiß man zwar, welche Art der Verschlüsselung eingesetzt wird. Ob die Entwickler aber nicht vielleicht die eine oder andere Hintertür eingebaut haben, bleibt verborgen. Genauso welche anderen Informationen und Daten die App sammelt und nach Hause sendet. Man muss also darauf vertrauen, was das Unternehmen kommuniziert und kann es nicht überprüfen.

Open Source sorgt für mehr Freiheit

Im Vergleich dazu gibt es auch sogenannte Open Source Software. Hier wird der gesamte Programmcode für jedermann öffentlich zugänglich gemacht. Dadurch kann jeder technisch versierte Mensch selbst einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Funktionen auf Fehler prüfen. Weiters bietet Open Source Software auch die Möglichkeit selbst am Programmcode herumbasteln zu dürfen und falls gewünscht Anpassungen durchzuführen. Man hat also wesentlich mehr Freiheit und Möglichkeiten im Vergleich zu proprietärer Software. Versteckten Hintertüren und anderen Schnittstellen für das Auslesen von persönlichen Daten wird dadurch ein Riegel vorgeschoben.

Mir ist besonders wichtig, dass klar wird, dass Open Source nicht nur für Nerds und Programmierer geschaffen wird, sondern unabhängig vom technischen Verständnis von jeder Person genutzt werden kann. Denn auch wenn man keinerlei Programmierkenntnisse hat und nicht selbst die Aussagen der Unternehmen überprüfen kann. So ist es wichtig, dass wir uns die Möglichkeit offen halten und nicht blind auf die Gutmütigkeit von profitorientierten Unternehmen verlassen.

WhatsApp lebt von Daten

Denn WhatsApp und dessen Mutterkonzern Facebook leben nicht von Luft und Liebe, sondern von unseren Daten. Dabei interessiert WhatsApp nur marginal, was wir tatsächlich schreiben. Viel Interessanter ist mit wem, wie oft, von wo aus und wie lange wir kommunizieren. Denn aus diesen und anderen Daten lassen sich nicht nur exakte Nutzerprofile erstellen, sondern auch Verhaltensweisen auslesen und auswerten. Und diese werden dann wiederum dafür verwendet, um möglichst effizient Werbung an die NutzerInnen zu bringen. Es geht schlicht und einfach darum so viele Daten wie möglich von jedem Menschen zu sammeln, um möglichst rund um die Uhr zu wissen, wo jemand ist, was er/sie gerade treibt, welche App genutzt wird und was ihn bzw. sie gerade interessiert. Denn aus diesen Daten lassen sich massive Profite generieren, wie sich an den Umsatzzahlen von Facebook erkennen lässt.

Es geht nicht nur um eure eigenen Daten

Wer sich WhatsApp auf dem Smartphone installiert, gibt nicht nur seine eigenen Daten bereit willig an Dritte weiter, sondern auch sämtliche Informationen von anderen Personen, die sich auf dem Handy wiederfinden lassen. Sein es nun Textnachrichten, E-Mails, Fotos oder sonstige Daten, die euch ein Freund zugeschickt hat. Auch diesen Informationen stellt ihr mit der Installation von WhatsApp anderen zur Verfügung. Schlichtweg zu sagen „Ich habe ja nichts zu verstecken“ ist also keine gültige und zutreffende Aussage. Denn es geht um weitaus mehr als nur um eure Daten. Es geht auch um die Daten und Informationen eurer Freunde, Familie und Bekannten.

Und wie bereits in einem älteren Artikel erwähnt, geht es nicht darum, dass „normale“ Bürger ja nichts zu verbergen haben, weil ihr Leben für Unternehmen uninteressant ist. Es geht darum nicht leichtgläubig euer Leben auf einem silbernen Tablet zu servieren, nur weil euch dafür im Tausch etwas mehr Komfort versprochen wird. Niemand kann abschätzen, für welche Art von Missbrauch eure Daten in Zukunft verwendet werden könnten. Denn selbst wenn ein Unternehmen vielleicht selbst keine Schandtaten mit euren Daten im Schilde führt, so könnten diese Daten genau so gut gestohlen werden und anderen Personen, Unternehmen oder Regierungen in die Hände fallen. Und was diese dann damit machen, überlasse ich einfach mal eurer Fantasie.

Aber was sind die Alternativen?

Eine oft genannte und von Edward Snowden persönlich empfohlene Alternative stellt die App Signal dar. Die von Open Whisper Systems entwickelte App setzt nicht nur auf permanente Verschlüsselung und Open Source, sondern speichert auch nahezu keine Daten seiner NutzerInnen.

Wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, musste das Unternehmen hinter Signal nach einer gerichtlichen Anordnung die gespeicherten Nutzerdaten von zwei Personen herausgeben. Nachdem Open Whisper Systems dafür gekämpft hatte, die gerichtliche Aufforderung öffentlich machen zu dürfen, wurde nun bekannt, welche Daten weitergegeben wurden. Nachdem die App selbst kaum Informationen speichert, konnten die Entwickler nur das Datum der Registrierung und den Zeitpunkt der letzten Anmeldung liefern. Andere Daten werden nicht gespeichert oder sind durch die Verschlüsselung nicht einsehbar. (Quelle)

Es geht auch anders!

Ich weiß ein Umstieg scheint für viele unmöglich oder zumindest schwierig. Schließlich nutzt jeder WhatsApp und die Alternativen leiden meist an mangelnder Verbreitung. Aber irgendwann muss man beginnen, denn solange niemand anfängt, wird sich auch nichts ändern. Also installiert euch Signal, ermutigt eure Freunde und Familie sich Signal zumindest parallel zu WhatsApp zu installieren und gebt dem Ganzen eine Chance.

Macht gebrauch von euren Rechten und holt euch die Kontrolle über eure Daten zurück, bevor es zu spät ist!

Wer gerne mehr über WhatsApp und gute Gründe für einen Messengerwechsel lesen möchte, hier noch ein guter Artikel zum Thema: Artikel auf Netzpolitik.org

2 Gedanken zu “Der Spitzel namens WhatsApp

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