Whistleblowerin Chelsea Manning begnadigt

Neuigkeiten im Bereich Netzpolitik waren in den letzten Monaten zumeist negativ behaftet. Kein Wunder, nachdem Beschluss des neuen Staatsschutzgesetzes und den neuen Plänen von Innenminister Wolfgang Sobotka zum Thema „lückenlose Überwachung“, blieb wenig Platz für positive Nachrichten. Umso erfreulicher, dass Barack Obama kurz vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit heute für positive Schlagzeilen sorgt. Immerhin konnte er damit auch Edward Snowden ein „Thanks, Obama“ entlocken.

Denn Obama hat überraschend die Wikileaks-Informantin und Whistleblowerin (bedeutet übersetzt so viel wie Aufdeckerin) Chelsea Manning begnadigt. Die 29 Jährige wurde 2013 von einem Militärgericht wegen Spionage und Geheimnisverrats zu 35 Jahren Haft verurteilt. Doch wie heute bekannt wurde, wird Frau Manning vorzeitig entlassen, genauer gesagt am 17. Mai 2017.

Wer ist Chelsea Manning eigentlich?

Chelsea Manning, vormals als Bradley Manning bekannt, war Soldat im Irak Krieg und wurde durch die Weitergabe geheimer Militärdokumente an Wikileaks bekannt. Chelsea Manning hatte im Jahr 2010 rund 700.000 Dokumente an die Enthüllungsplattform weitergegeben und damit für einige Furore gesorgt. Unter den Dateien waren unter anderem Videoaufzeichnungen des tödlichen Beschusses unbewaffneter Zivilisten und Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber im Jahr 2007. ( Video )

Ebenfalls in den geleakten Dokumenten enthalten waren Hunderte Berichte über Missbrauch und Folter durch irakische Sicherheitskräfte, private Sicherheitsfirmen und unzählige weitere Verbrechen, die durch das amerikanische Militär geheim gehalten wurden.

Manning war zuletzt 2013 durch ein Gnadengesuch und zwei Selbstmordversuche erneut in die Medien gekommen. Manning die bereits seit Jahren in ihrem Privatleben offen androphil lebte, hatte im August 2013 öffentlich verlautbart, ab sofort eine Frau zu sein. Die rechtskräftige Namensänderung folge im April 2014 in Chelsea Elizabeth Manning. Besonders prekär an ihrer Situation ist die Tatsache, dass Manning als einzige Frau in einem Gefängnis für männliche Straftäter untergebracht ist. Nach einem Hungerstreik hatte die US Armee 2015 schließlich die Erlaubnis zur Hormontherapie erteilt.

Öffentlicher Diskurs

Manning wollte mit der Weitergabe der Dokumente eine öffentliche Debatte zu den Irak und Afghanistan Feldzügen der USA anstoßen und die verschwiegenen Missstände aufzeigen. Doch da Whistleblower nicht gern gesehen sind wurde versucht, an Chelsea Manning ein Exempel zu statuieren. Die Staatsanwaltschaft forderte ursprünglich mindestens 60 Jahre Haft und eine Geldstrafe von über 100.000 Dollar. Nachdem Manning im schwersten Anklagepunkt „Unterstützung des Feindes“ allerdings freigesprochen wurde und die Verteidigung auf eine niedrigere Strafe plädierte, fiel die Strafe milder aus.

35 Jahre sind es dennoch geworden weil sie versucht hatte, Informationen und Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, die das Militär und die US Regierung lieber verschwiegen hätten. Umso erfreulicher ist es nun, dass es „nur“ 7 Jahre geworden sind und Manning bereits im Mai diesen Jahres wieder freigelassen wird.

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„Es geht nicht um Sicherheit, sondern um Macht!“

Wolfgang Sobotka (ÖVP) sorgt bereits kurz nach Neujahr mit seinem Plädoyer für mehr Überwachung für blankes Entsetzen bei Experten. Eine möglichst „lückenlose Überwachung“ sei das Ziel für zukünftige Sicherheitsmaßnahmen. Fußfesseln für Verdächtige, die Vernetzung sämtlicher Überwachungskameras und das Abhören von Gesprächen in Autos sind nur einige wenige Dinge, die unser Innenminister für das Jahr 2017 geplant hat.

Anonymität ist nur was für Kriminelle

Ebenfalls ein Dorn im Auge des Herrn Sobotkas sind die derzeit noch anonym erwerbbaren Handywertkarten. Diese dienen laut Innenminister primär Kriminellen und müssen daher abgeschafft werden. Auch das Projekt Bundestrojaner steht wieder auf der Agenda und soll nach Fertigstellung beim Aufspüren von Schadprogrammen, Urheberrechtsverletzungen und Hasspostings eingesetzt werden. Ursprünglich gab es bereits im vergangenen Jahr Pläne zum Einsatz des sogenanten Bundestrojaners. Nach reichlicher Kritik, unter anderem von der TU Wien, dem AK Vorrat und anderen Initiativen und Organisationen wurden die Pläne aber im Sommer 2016 auf Eis gelegt. Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hatte die Pläne im Juni 2016 als „nicht sinnvoll“ bezeichnet und hatte angekündigt, dass man sich „etwas anderes überlegen“ werde. Nun scheint die Evaluierungsphase ein Ende gefunden zu haben und Wolfgang Sobotka stellt den Vorschlag erneut zur Diskussion. Hoffentlich wird auch in diesem Jahr die Vernunft siegen und das Projekt wird ein für alle Mal eingestellt.

Mehr Macht statt Sicherheit

Welche der geplanten Maßnahmen bereits in Arbeit sind und welche derzeit noch als undurchdachte Ideen bezeichnet werden können, ist im Moment nicht bekannt. Was allerdings klar ist, ist das keine der angedachten Maßnahmen zur Maximierung der Sicherheit in unserem Land angedacht sind, sondern lediglich mehr Macht für Legislative, Exekutive und Co bedeuten. Wie sonst lassen sich die Wünsche nach Massenüberwachung, die Vorverurteilung von Verdächtigen und die Vernetzung sämtlicher privaten Sicherheitskameras erklären? Hier geht es nicht um mehr Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger. Hier geht es schlicht und ergreifend um Macht. Macht, geschickt getarnt unter dem Deckmantel von mehr Sicherheit.

Die Nadel im Heuhaufen

Leider ist unserem Innenminister ein kleiner aber grundlegender Fehler bei der Konzeptionierung unterlaufen. Staaten scheitern nicht mangels Daten bei der Terrorbekämpfung, sondern sie scheitern aufgrund unzureichender Bewertung. Bereits jetzt hat unsere Exekutive Zugriff auf Unmengen an Daten. Das einzige Problem an der Sache ist aber dennoch die Auswertung. Denn was nutzen im ersten Schritt tausende Datensätze, wenn ich im zweiten Schritt nicht weiß, welche Informationen nützlich und welche es nicht sind?

Anstatt also klare Richtlinien und Möglichkeiten zu schaffen bereits vorhandene Daten zu analysieren, wird lieber der Heuhaufen konstant weiter vergrößert. Mit jedem stattgefundenen Terroranschlag wächst in der Bevölkerung die Angst. Und wenn Menschen Angst haben, neigen sie dazu vorschnell Entscheidungen zu treffen. Besonders Lösungen, die auf den ersten Blick sinnvoll und logisch erscheinen, sind dann schnell hoch im Kurs. Auch wenn auf lange Sicht eventuell neue, sogar schwerwiegendere Probleme geschaffen werden. Hauptsache auf kurze Sicht sind wir wieder in Sicherheit.

Es geht um unsere Rechte

Wir dürfen unsere Freiheiten und Rechte nicht voreilig dem Ruf nach mehr Sicherheit opfern. Denn für diese Freiheiten und Rechte wurde über Jahrzehnte und Generationen hinweg gekämpft. Mehr Überwachung mag für viele Menschen gleichbedeutend mit mehr Sicherheit sein, aber nichts bedroht unser Recht auf eine freie Meinungsäußerung so sehr, wie es eine lückenlose Überwachung tun würde. Wir müssen skeptisch bleiben und nachhacken welche möglichen Konsequenzen neue Gesetze mit sich bringen können. Denn kein System ist perfekt und selbst Maßnahmen mit einer 99-prozentigen Chance der korrekten Identifikation von Kriminellen lassen immer noch genügend Spielraum für falsche Beschuldigungen.

Wer mehr zum Thema lesen möchte und vielleicht noch Argumente für zukünftige Diskussionen benötigt, dem möchte ich Teil 1 und Teil 2 meiner Beitragsreihe „Bringt mehr Überwachung wirklich mehr Sicherheit?“ ans Herz legen.

Quelle
Anmerkung Überschrift: Zitat von Edward Snowden ( heise.de )

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Jeder Einkauf ist eine Stimmabgabe

Man hört es mittlerweile öfter als das Amen im Gebet. „Ja, aber was ändert es wenn ich das nicht mehr kaufe? Alle anderen kaufen es ja dennoch.“ Es sind solche und ähnliche Aussagen, die einem regelrecht die Energie aus den Knochen ziehen. Es ist dieses Predigen von Ohnmacht, was einen zur Verzweiflung bringt. Dabei sind wir alles andere als ohnmächtig.

Gerade in unseren Breitengraden haben wir es tagtäglich selbst in der Hand, was wir kaufen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Entscheidung nicht nur uns selbst betreffen, sondern wesentlich weitere Kreise ziehen als uns im ersten Moment bewusst ist. Unsere Kaufentscheidung ist schließlich unser wichtigstes Werkzeug um Unternehmen und Anbietern zu zeigen, was gewünscht ist und was nicht. Ein Einkauf ist ein klares Statement, das wenig Raum für Interpretationen lässt.

Denn wenn ich in einem großen, internationalen Bekleidungsgeschäft ein T-Shirt um 5 € kaufe, dann muss mir klar sein, was alles dahinter steckt. Vielleicht war es Kinderarbeit, vielleicht wurden bei der Herstellung des Stoffes umweltschädliche Chemikalien ins Wasser des jeweiligen Landes gepumpt oder vielleicht sind sogar schon einige Menschen in den Produktionshallen gestorben. Vielleicht treffen sogar alle drei Punkte zu? Wir wissen es nicht und es interessiert uns auch nicht. Hauptsache das T-Shirt kostet nur 5 € und ist in der Trendfarbe des Monats gehalten. In zwei bis drei Monaten ist es sowieso uninteressant geworden, denn dann kommt ja schon wieder die neue Kollektion.

Überlegt was ihr finanziert

Wir haben das Glück auf diesem Fleckchen Erde geboren worden zu sein. In einer Gesellschaft, in der man es tagtäglich selbst in der Hand hat was auf den Teller kommt, welche Kleidung getragen wird und welche Verkehrsmittel genutzt werden. Am anderen Ende der Welt sieht das ganze völlig anders aus. Kleinbauern in Afrika zum Beispiel haben derlei Möglichkeit nicht zur Auswahl. Diese müssen mit den verfügbaren Ressourcen bestmöglich umgehen, um überleben zu können. Was dort überlebenswichtige Entscheidungen sind, ist bei uns lediglich eine Frage des Komforts.

Es ist also unsere Pflicht von unseren Möglichkeiten Gebrauch zu machen und unsere Stimmen zu erheben. Ein Herunterspielen unserer Chancen und Optionen wäre nicht nur beinhart gelogen, sondern auch pure Arroganz gegenüber all jenen, die für unsere billigen Produkte ihre Gesundheit riskieren. Ausreden a la „Ist doch egal ob ich das jetzt kaufe oder nicht. Alle anderen kaufen es ja auch.“ sind ein plumper Schlag ins Gesicht aller Menschen auf diesem Planeten, die bei der Geburt weniger Glück hatten als wir. Wir dürfen nicht Kleidung aus Fabriken mit Kinderarbeit kaufen nur weil es alle tun. Wir dürfen auch nicht kiloweise Fleisch aus Massentierhaltung in uns hineinstopfen nur weil es bei uns Usus ist. Und wir dürfen schon gar nicht andere Menschen ins Lächerliche ziehen, die versuchen diese Umstände zu ändern.

Denn es ist bereits anstrengend genug diese Veränderungen selbst leben zu wollen, ohne dass man sich auch noch mit gedankenlosen Kommentaren herumschlagen muss. Natürlich wird keiner von uns von heute auf morgen in jedem Lebensbereich perfekt leben, aber jeder Schritt hilft. Jede Veränderung kann andere inspirieren, jeder Verzicht bedeutet ein paar € weniger in den Taschen von skrupellosen CEOs und jeder bewusste Einkauf wiegt erheblich mehr als unzählige, kopflose Einkäufe. Jede Veränderung die einem gelingt, stärkt das Selbstvertrauen und man gewinnt weitere Kraft für die nächste Veränderung. Und die werdet ihr brauchen. Denn beginnt man einmal das Gegebene zu hinterfragen, so nimmt dieser Prozess so schnell kein Ende. Und das ist etwas unglaublich Wunderbares!

Wir haben täglich die Wahl

Jeder Einkauf, jede Scheibe Wurst, jedes Paar Socken ist eine Stimmabgabe. Wir entscheiden selbst, welche Produktionsarten, Transportwege und Produkte wir unterstützen und finanziell fördern. Jeder Mensch hat selbst die Verantwortung für sein Handeln zu tragen. Und ja nachhaltig produzierte Kleidung ist teurer und biologisch hergestelltes Gemüse ebenso. Aber das ist kein Grund diese nicht zu kaufen. Dann kauft man eben nur zwei Pullover in einem Jahr anstatt alle paar Monate ins Einkaufszentrum zu laufen, um sich komplett neu einzukleiden. Dann kauft man eben einmal die Bio-Äpfel und verzichtet dafür auf eine Packung Gummibären.

Wir müssen unsere Arroganz endlich ablegen und wieder Verantwortung für unser Handeln übernehmen. „Das ist bei uns immer schon so“ gilt ebenso wenig als Begründung wie „Aber alle anderen …“. Denn, wenn niemand beginnt festgefahrene Verhaltensmuster zu hinterfragen, dann wird sich auch niemals etwas ändern. Jede Veränderung beginnt als kleiner Impuls in uns selbst. Und so wir selbst Schritt für Schritt Verhaltensmuster verändern können, so muss auch unsere Gesellschaft Person für Person beginnen Veränderungen eine Chance geben.

Wir haben es in der Hand!

Lasst euch nicht einreden, dass euer eigenes Leben keinerlei Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat, denn das ist gelogen. Ein jeder Mensch, der Veränderungen zulässt, inspiriert damit auch andere Menschen aus seinem Umkreis. Ein jeder Mensch der versucht etwas zu verbessern wird automatisch zum Vorbild für andere. Gebt eurem Verstand die Zeit und die Ruhe, um Ideen durchzudenken, bevor ihr sie als „Weltverbesserungs-blabla“ abtut. Stellt euch regelmäßig die Frage „Brauche ich das wirklich?“ bevor ihr etwas kauft und ihr werdet verblüfft sein, wie viel Geld ihr euch erspart.

Was wir heute kaufen, entscheidet über die Welt von morgen. Nutzen wir also unsere Stimmen und machen unsere Welt Schritt für Schritt zu einem besseren Ort!

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Eine kleine Geschichte von Übermorgen

Massenüberwachung, Sicherheitskameras an öffentlichen Plätzen, Contentfilter und gefinkelte Algorithmen, die aus Metadaten Verhaltensmuster auslesen und potenzielle Straftäter ausspucken können. Diese und ähnliche Entwicklungen skizzieren ein Furcht einflößendes Zukunftsszenario. Doch wie viel „Zukunft“ steckt eigentlich noch in diesem Szenario?

Stellen wir uns vor…

Nach der Arbeit möchte ich noch schnell einkaufen gehen, aber leider habe ich den Einkaufszettel zu Hause liegen gelassen. Heutzutage kein Problem mehr. Per App werfe ich einen Blick in meinen Kühlschrank und sehe sofort, was noch fehlt. Falls ich dennoch etwas vergessen habe, bestelle ich einfach direkt an der Tür des Kühlschranks per Touchscreen die fehlenden Lebensmittel. Nie wieder ärgern über den vergessenen Brokkoli. Wunderbar. Ein Ärgernis weniger auf meiner Liste.

Aber Moment mal. Kann eigentlich nur ich über das Internet auf meinen Kühlschrank zugreifen? Oder gibt es da vielleicht auch eine Möglichkeit für den Hersteller einen Blick in verkaufte Kühlschränke zu werfen? Egal, ich habe ja nichts zu verbergen. Wissen die Damen und Herren von der NSA eben, dass ich nicht immer Bio, sondern auch manchmal nur konventionelle Fertiggerichte kaufe. Ist halt so. Durch meinen neuen Smart-TV sehen sie mich schon tagtäglich auf der Couch rumliegen, da sind meine Essgewohnheiten ohnehin kein großes Geheimnis mehr.

You‘ve got Mail

Merkwürdig, eine E-Mail meiner Versicherung. Die Prämie meiner Lebensversicherung wurde erhöht. Als Grund werden persönliche Veränderungen angeführt. Ich werfe einen Blick auf meine Smartwatch. 4000 Schritte pro Tag habe ich letzte Woche im Durchschnitt zurückgelegt. Kein besonders berauschender Wert, aber auch nicht allzu wenig. Ich öffne meine Bank-App und überprüfe die letzten Abbuchungen. Vielleicht war ich die letzten Wochen doch öfter auf einen Burger, als es gut für mich ist. Ich nehme mir vor ab morgen wieder mehr Sport zu machen und gesünder zu essen. Mit ein paar Klicks erstelle ich mir direkt einen Trainingsplan für die nächsten Wochen.

Ich setze mich auf die Couch und schalte den Fernseher ein. Eine Werbung für neue Laufschuhe mit eingebautem Gewichtssensor zur automatischen Anpassung der Dämpfung. „Perfekt! Und nur noch heute im Angebot, was für ein Glück!“ schießt es mir in den Kopf. Die muss ich am besten gleich bestellen, dann habe ich morgen keine Ausrede mehr. Zwei kurze Sprachbefehle und schon ist die Bestellung aufgegeben.

Am nächsten Tag auf dem Weg zur Arbeit bekomme ich auf allerlei Reklametafeln Werbung von Laufbekleidung und isotonischen Getränken. Toll diese neue Technik. Endlich bekomme ich nur noch Werbung, die genau auf mich abgestimmt ist. In der Arbeit liegt bereits das gewünschte Paket auf meinem Schreibtisch. Jetzt steht meinem Laufvergnügen wirklich nichts mehr im Wege, also abgesehen von den nächsten 8 Stunden im Büro, aber das gehört eben dazu. Irgendwie muss ich die neuen Laufschuhe schließlich auch bezahlen.

10 Stunden später

Ich blicke auf meine Smartwatch. Bis jetzt habe ich lediglich 2500 Schritte zurückgelegt, dafür ist endlich Feierabend und der Weg frei für mein Laufvergnügen. Wenn ich nur nicht so müde wäre. Egal, ich fahre jetzt nach Hause und entscheide mich dann, ob ich heute noch laufen gehe oder doch lieber morgen. Ich schnappe mir das Paket und mache mich auf dem Heimweg. Wieder erspähe ich überall Werbung für Laufbekleidung, isotonische Getränke, Aktivitätstracker, etc. Eine Anzeige fällt mir in der Straßenbahn besonders auf: „Lebe JETZT und nicht erst morgen!“ Ich beschließe auf alle Fälle heute noch Laufen zu gehen, wer weiß was morgen wieder los ist in der Arbeit. Ein sportlicher Ausgleich täte mir und meiner Prämie sicherlich gut.

No pain, no gain!

„Sie passen perfekt“, sage ich leise vor mich hin, als ich die neuen Laufschuhe anziehe. Nach ein paar kurzen Lockerungsübungen beginne ich gemütlich loszulaufen. Nach einer Viertelstunde werfe ich einen ersten Blick auf meine Uhr. Der Kilometerzähler läuft, Puls ist im grünen Bereich und mein automatisch generierter Trainingsplan schlägt vor noch 5 Kilometer zu laufen.

Nach 4 Kilometern bin ich völlig ausgelaugt, der lange Arbeitstag und die wenige Bewegung in letzter Zeit fordern ihren Tribut. Ich breche mein Training ab und gehe zurück zu meiner Wohnung. Die Smartwatch beginnt lauthals zu piepsen und blinken. „Noch 1 km! Nicht aufgeben!“ Ich drücke es weg und setze meinen Weg fort. Nur kurze Zeit später meldet sich die Uhr erneut. Ich blicke auf das Display und sehe eine neue Nachricht von Martin. Er fragt, ob ich morgen auch bei der Demonstration gegen das neue Datenschutzgesetz dabei bin. Ich antworte ihm, dass ich es mir noch überlegen werde und ich ihm morgen Bescheid gebe.

Der nächste Morgen

Mit einer frischen Tasse Kaffee in der Hand gehe ich von der Gemeinschaftsküche zurück zu meinem Arbeitsplatz. Ich stelle die Tasse auf meinen Schreibtisch und lasse mich in den Sessel fallen. Meine Oberschenkel brennen als hätte ich gestern einen Marathon absolviert, aber ich fühle mich gut. Ich entsperre meinen Computer und erblicke sofort eine Werbung für Magnesiumtabletten gegen Muskelkater. Noch bevor ich die Anzeige wegklicken kann, läutet mein Telefon. Mein Chef möchte mich gerne in seinem Büro sprechen. Ich denke mir nichts weiter dabei, sperre meinen PC und mache mich auf den Weg zur Chefetage.

Der Sekretär begrüßt mich freundlich und bittet mich direkt weiter ins Büro des Chefs. Auch er begrüßt mich mit freundlicher Miene, deutet mir einen freien Stuhl und beginnt zufrieden von meinen bisherigen Leistungen zu erzählen. Ich fühle mich geschmeichelt, bin aber dennoch verwirrt, worauf dieses Gespräch hinauslaufen wird. „Alles in allem leisten sie also sehr gute Arbeit in unserem Unternehmen und wir sind froh sie an Board zu haben. Aber uns ist etwas zu Ohren gekommen, dass uns etwas Sorgen bereitet. Welche Veranstaltungen sie privat besuchen ist selbstverständlich ihre persönliche Entscheidung aber gerade das neue Datenschutzgesetz bringt unseren Unternehmen allerlei Vorteile. Und wenn sie dagegen auf die Straße gehen, dann muss ich mir zwangsweise die Frage stellen, ob sie eigentlich noch mit der richtigen Einstellung an ihre Aufgaben herantreten.“

Ich bin schockiert. Ich versichere ihm nicht an der Demonstration teilnehmen zu wollen und mache mich auf den Weg zu meinem Arbeitsplatz. Auf dem Weg versuche ich zu begreifen, was gerade geschehen ist. Würde er mich wirklich kündigen, wenn ich demonstrieren gehe?

Nicht alles was glänzt…

Auf dem Nachhauseweg erblicke ich ein und dieselbe Reklame gleich auf mehreren Anzeigen. Eine Gruppe Anzugträger steht lachend mit einer Runde Bier in der Hand in einer Bar. Darunter steht: “Ein Kühles Blondes lässt alle Sorgen vergessen“. Erneut zeigt meine Uhr eine Benachrichtigung. Meine Bank möchte mir mitteilen, dass meine Raten für die Wohnung teurer werden, da meine Kreditwürdigkeit herabgestuft wurde. Ich zücke mein Handy und frage meinen Bankberater nach der Ursache. Er erklärt mir, dass mein Unternehmen meine Bewertung von „Sehr zufriedenstellend“ auf „zufriedenstellend“ gesenkt hat und es daher notwendig sei die Zinsen anzupassen. Ich kann es nicht fassen. Ich stecke das Handy ein und versuche den heutigen Tag zu verarbeiten.

Zu Hause angekommen fällt mir ein, dass ich Martin noch Bescheid geben wollte. Ich wähle seine Nummer. Es läutet einige Male, bis sich die Sprachbox meldet. Ich lege auf und beschließe etwas fernzusehen, bis er mich zurückruft. Nach einer kurzen Werbung beginnen die Nachrichten. „Polizei löst Demonstrationszug nach Ausschreitungen auf … Mehrere Demonstranten mit Handschellen an Türen des Innenministeriums gekettet … Dutzende Personen verhaftet … Platzverbote rund um das Innenministerium ausgesprochen …“ Plötzlich läutet es an meiner Tür.

Ich gehe ins Vorzimmer, blicke durch das Guckloch und sehe zwei Polizisten. Ich erstarre und weiß nicht, wie ich reagieren soll. Nervös öffne ich die Türe. Die beiden Beamten bitten mich ihnen auf die Dienststelle zu folgen, sie haben einige Fragen an mich und würden diese gerne in Ruhe durchgehen. Ich nicke und ziehe mir meine neuen Laufschuhe an. Die Tür fällt hinter mir ins Schloss, als ich die Wohnung verlasse. Kurz bevor ich ins Dienstauto einsteige, meldet sich erneut meine Uhr. „Lauftraining beginnen?“

Dieser Text ist ursprünglich als Kolumne im SHOCK2 C4 eMagazin zum Spiel Watch_Dogs 2 erschienen.

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Der Spitzel namens WhatsApp

Es gibt nur wenige Apps, denen es gelingt, auf nahezu jedem Smartphone vertreten zu sein und WhatsApp gehört definitiv dazu. Dennoch habe ich mich bewusst entschieden diese und einige andere Apps nicht auf meinem Handy zu installieren. Warum? Primär aus Datenschutzgründen aber nicht ausschließlich.

Aber WhatsApp nutzt doch Verschlüsselung?

Ja auch WhatsApp schreibt sich seit einiger Zeit Verschlüsselung auf die Fahnen und das war auch ein notwendiger und wichtiger Schritt. Denn dadurch können auch Menschen ohne technisches Verständnis Verschlüsselung einsetzen und diese wird in Zukunft noch viel wichtiger als sie es ohnehin schon ist.

Doch wenn niemand meine Nachrichten mitlesen kann, was ist dann das Problem bei WhatsApp? Nun, zum einen handelt es sich bei WhatsApp um so genannte proprietäre bzw. closed Source Software. Das bedeutet, dass der Programmcode nur für die Entwickler einsehbar ist und NutzerInnen keine Möglichkeit haben sich von den Sicherheitsstandards selbst zu überzeugen. Grundsätzlich ist dies nichts Ungewöhnliches. Ganz im Gegenteil, die meisten Programme, die sich heutzutage großer Beliebtheit erfreuen sind ebenfalls proprietär. Egal, ob Betriebssysteme wie Windows und MacOS oder Programme wie Adobe Photoshop und Microsoft Office, proprietäre Software ist weitverbreitet.

Um das Problem dahinter verständlicher zu machen, möchte ich ein kleines Beispiel geben. Wenn ein Unternehmen verspricht, ab sofort Verschlüsselung einzusetzen, dann ist das gut und schön. Welche Verschlüsselung allerdings zum Einsatz kommt oder wie diese eingebaut wurde, bleibt aber meist Betriebsgeheimnis. Im Falle von WhatsApp weiß man zwar, welche Art der Verschlüsselung eingesetzt wird. Ob die Entwickler aber nicht vielleicht die eine oder andere Hintertür eingebaut haben, bleibt verborgen. Genauso welche anderen Informationen und Daten die App sammelt und nach Hause sendet. Man muss also darauf vertrauen, was das Unternehmen kommuniziert und kann es nicht überprüfen.

Open Source sorgt für mehr Freiheit

Im Vergleich dazu gibt es auch sogenannte Open Source Software. Hier wird der gesamte Programmcode für jedermann öffentlich zugänglich gemacht. Dadurch kann jeder technisch versierte Mensch selbst einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Funktionen auf Fehler prüfen. Weiters bietet Open Source Software auch die Möglichkeit selbst am Programmcode herumbasteln zu dürfen und falls gewünscht Anpassungen durchzuführen. Man hat also wesentlich mehr Freiheit und Möglichkeiten im Vergleich zu proprietärer Software. Versteckten Hintertüren und anderen Schnittstellen für das Auslesen von persönlichen Daten wird dadurch ein Riegel vorgeschoben.

Mir ist besonders wichtig, dass klar wird, dass Open Source nicht nur für Nerds und Programmierer geschaffen wird, sondern unabhängig vom technischen Verständnis von jeder Person genutzt werden kann. Denn auch wenn man keinerlei Programmierkenntnisse hat und nicht selbst die Aussagen der Unternehmen überprüfen kann. So ist es wichtig, dass wir uns die Möglichkeit offen halten und nicht blind auf die Gutmütigkeit von profitorientierten Unternehmen verlassen.

WhatsApp lebt von Daten

Denn WhatsApp und dessen Mutterkonzern Facebook leben nicht von Luft und Liebe, sondern von unseren Daten. Dabei interessiert WhatsApp nur marginal, was wir tatsächlich schreiben. Viel Interessanter ist mit wem, wie oft, von wo aus und wie lange wir kommunizieren. Denn aus diesen und anderen Daten lassen sich nicht nur exakte Nutzerprofile erstellen, sondern auch Verhaltensweisen auslesen und auswerten. Und diese werden dann wiederum dafür verwendet, um möglichst effizient Werbung an die NutzerInnen zu bringen. Es geht schlicht und einfach darum so viele Daten wie möglich von jedem Menschen zu sammeln, um möglichst rund um die Uhr zu wissen, wo jemand ist, was er/sie gerade treibt, welche App genutzt wird und was ihn bzw. sie gerade interessiert. Denn aus diesen Daten lassen sich massive Profite generieren, wie sich an den Umsatzzahlen von Facebook erkennen lässt.

Es geht nicht nur um eure eigenen Daten

Wer sich WhatsApp auf dem Smartphone installiert, gibt nicht nur seine eigenen Daten bereit willig an Dritte weiter, sondern auch sämtliche Informationen von anderen Personen, die sich auf dem Handy wiederfinden lassen. Sein es nun Textnachrichten, E-Mails, Fotos oder sonstige Daten, die euch ein Freund zugeschickt hat. Auch diesen Informationen stellt ihr mit der Installation von WhatsApp anderen zur Verfügung. Schlichtweg zu sagen „Ich habe ja nichts zu verstecken“ ist also keine gültige und zutreffende Aussage. Denn es geht um weitaus mehr als nur um eure Daten. Es geht auch um die Daten und Informationen eurer Freunde, Familie und Bekannten.

Und wie bereits in einem älteren Artikel erwähnt, geht es nicht darum, dass „normale“ Bürger ja nichts zu verbergen haben, weil ihr Leben für Unternehmen uninteressant ist. Es geht darum nicht leichtgläubig euer Leben auf einem silbernen Tablet zu servieren, nur weil euch dafür im Tausch etwas mehr Komfort versprochen wird. Niemand kann abschätzen, für welche Art von Missbrauch eure Daten in Zukunft verwendet werden könnten. Denn selbst wenn ein Unternehmen vielleicht selbst keine Schandtaten mit euren Daten im Schilde führt, so könnten diese Daten genau so gut gestohlen werden und anderen Personen, Unternehmen oder Regierungen in die Hände fallen. Und was diese dann damit machen, überlasse ich einfach mal eurer Fantasie.

Aber was sind die Alternativen?

Eine oft genannte und von Edward Snowden persönlich empfohlene Alternative stellt die App Signal dar. Die von Open Whisper Systems entwickelte App setzt nicht nur auf permanente Verschlüsselung und Open Source, sondern speichert auch nahezu keine Daten seiner NutzerInnen.

Wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, musste das Unternehmen hinter Signal nach einer gerichtlichen Anordnung die gespeicherten Nutzerdaten von zwei Personen herausgeben. Nachdem Open Whisper Systems dafür gekämpft hatte, die gerichtliche Aufforderung öffentlich machen zu dürfen, wurde nun bekannt, welche Daten weitergegeben wurden. Nachdem die App selbst kaum Informationen speichert, konnten die Entwickler nur das Datum der Registrierung und den Zeitpunkt der letzten Anmeldung liefern. Andere Daten werden nicht gespeichert oder sind durch die Verschlüsselung nicht einsehbar. (Quelle)

Es geht auch anders!

Ich weiß ein Umstieg scheint für viele unmöglich oder zumindest schwierig. Schließlich nutzt jeder WhatsApp und die Alternativen leiden meist an mangelnder Verbreitung. Aber irgendwann muss man beginnen, denn solange niemand anfängt, wird sich auch nichts ändern. Also installiert euch Signal, ermutigt eure Freunde und Familie sich Signal zumindest parallel zu WhatsApp zu installieren und gebt dem Ganzen eine Chance.

Macht gebrauch von euren Rechten und holt euch die Kontrolle über eure Daten zurück, bevor es zu spät ist!

Wer gerne mehr über WhatsApp und gute Gründe für einen Messengerwechsel lesen möchte, hier noch ein guter Artikel zum Thema: Artikel auf Netzpolitik.org

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Sei frech und wild und wunderbar!

Es ist nur eines von dutzenden Zitaten von Astrid Lindgren, die es definitiv wert sind, verbreitet und in diesem Fall sogar gelebt zu werden. Denn wenn wir uns ehrlich sind, dann hat unser inneres Kind eigentlich fast immer recht. Vielleicht hat es nicht die perfekte Lösung für ein Problem parat, aber die Richtung ist immer die Richtige. Es stellt zum Beispiel die klassische Frage nach dem Warum so lange, bis einem die Erklärungen ausgehen. Und genau in diesen Momenten könnte man, vorausgesetzt man steht dem ganzen auch offen gegenüber, erkennen, was für absurde Normen eigentlich unser Leben bestimmen. Bevor nun Leute kommentieren, dass Gesetze und Regeln ein unabdingbarer Grundsatz für eine funktionierende Gesellschaft seien. Diese Art von Regeln und Gesetzen meine ich gar nicht. Ich rede von Vorschriften, wie wir uns wem gegenüber zu verhalten haben. Was wir uns anziehen sollen. Wie wir gefälligst auch diejenigen freundlich grüßen sollen, die sich hinterrucks das Maul über einen zerreißen. Oder ja brav den Titel erwähnen sollen, damit dieser Person auch regelmäßig bewusst wird, wie gut die Entscheidung eines Studiums nicht war.

Ein Kind hinterfragt alles und das aus gutem Grund!

Aber sind diese Dinge wirklich von Bedeutung? Reicht es nicht allen Lebewesen, unabhängig der Herkunft, Bildung und Gattung mit einer ordentlichen Portion Respekt und einem offenen Herzen zu begegnen? Sollte das nicht Grundsatz genug sein? Natürlich nicht, denn wenn eine Regel nicht klar ausformuliert ist, a la: Das darfst du und das darfst du nicht! Dann bleibt Spielraum für Interpretationen. So sehen viele Menschen zum Beispiel das Aufziehen und Halten von Tieren rein zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion als durchaus respektvollen Umgang mit anderen Lebewesen. Bis zur Schlachtung geht es ihnen ja schließlich gut. Sie leben doch alle glücklich auf ihren Weiden, fressen frisches Gras und genießen ein sorgenfreies, entspanntes Leben.

Aber ist diese Auslegung wirklich vertretbar? Selbst wenn ein Tier über Jahre hinweg ein gutes und entspanntes Leben führen darf, darf sich der Mensch dennoch das Recht herausnehmen, über das Leben eines anderen Lebewesens zu richten? Darf ein Mensch sagen: „Bis hierhin hast du gut gelebt, also ist es absolut in Ordnung, dass ich dich jetzt töte.“ und damit ist der Fall erledigt? Was würde unser inneres Kind oder besser gesagt unser kindliches Ich zu so einer Aussage sagen? Wenn wir uns ehrlich sind, er bzw. sie wäre wohl nicht begeistert. Jetzt werden einige denken, dass ein Kind auch naiv ist und noch gar nicht weiß, wie es in unserer Welt so läuft. Aber ist das eine gute Rechtfertigung? Hat das Kind nicht doch recht damit, wenn es behauptet, dass man ein anderes Tier nicht töten darf? Hat das gute bzw. schlechte Leben wirklich etwas damit zu tun, ob das Töten gerechtfertigt ist?

Ein Kind denkt einfacher

Durch unsere Erziehung und das jahrelange Leben in unserer Gesellschaft lernen wir gewisse Dinge einfach hinzunehmen. Wir eignen uns die Fähigkeit an, die Augen vor Ungerechtigkeiten zu verschließen, uns selbst von der Verantwortung zu entbinden und andere für unser Glück bzw. Unglück verantwortlich zu machen. Schließlich sind wir nur eine einzige Person in einem Sammelsurium aus Abermillionen anderer Personen. Wie sollen wir angesichts dieser Tatsache tatsächlich etwas verändern können? Die Antwort ist ganz einfach. Wir können nicht von heute auf morgen Normen und Konventionen abschaffen, die über dutzende Jahre, wenn nicht sogar Jahrhunderte entstanden und gewachsen sind. Aber mit vielen kleinen Schritten können wir andere Menschen inspirieren, ihnen Alternativen aufzeigen und sie darin bestärken selbst Handlungen zu setzen. Und sind es nicht diese Momente, in denen man einen anderen Menschen wirklich erreicht, tausendmal mehr wert als jedes Produkt und jeder Titel, den wir erwerben können?

Werte verändern sich mit dem Alter

Kinder haben uns in vielerlei Hinsicht etwas voraus. Sie können unvoreingenommen an neue Fragen, Menschen und Herausforderungen herantreten. Sie erkennen sofort, wenn etwas falsch läuft und im Gegensatz zu uns suchen sie dann nicht einen Weg um es zu rechtfertigen, sondern sie suchen nach Lösungen. Wenn es um ihren eigenen Weg geht, lassen sie sich von niemand dreinreden. Sie gehen ihren eigenen Weg. Sei es nun was die Wahl der Ernährung, der Kleidung oder der Themen angeht, für die sie sich interessieren. Kinder haben noch das Recht frech, wild und wunderbar zu sein. In der Welt der Erwachsenen wird dies aber nicht gerne gesehen, hier gelten andere Werte. Hier gilt es sich gegenseitig im Mitschwimmen zu übertrumpfen, massenhaft Geld zu verdienen und reichlich Geld auszugeben, um als gemachter Mann bzw. Frau zu gelten.

Aber unter uns, wer hat sich nicht schon des Öfteren gewünscht einfach eine Rutsche hinabzurutschen, lauthals die eigene Freude hinauszubrüllen, lachend durch Wasserlacken zu laufen oder eine Sandburg zu bauen? Ohne dabei an die Blicke der umstehenden Menschen zu denken. Ohne dabei an das teure Smartphone, die neue Hose oder das frisch gewaschene Hemd zu denken. Nehmt euch ein Beispiel an den Kindern. Macht worauf ihr Lust habt und vergesst die Blicke der anderen Leute. Denn jeder von uns ist wunderbar und verdient es, frech und wild sein zu dürfen.

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Raus mit dem Fernseher

Nachdem meine Freundin und ich vor knapp einer Woche im Bezirk Melk bei unglaublich lieben Menschen zu Gast waren, haben wir neuen Schwung für in Vergessenheit geratene Ziele bekommen. Die erwähnten Personen haben sich über Jahre hinweg ein absolutes Traumhaus erschaffen. Sie haben ein altes Bauernhaus gekauft, es liebevoll mit vielen Überlegungen in Hinblick auf Umweltschutz renoviert und gefüllt mit allerlei liebevollen Details und erfrischend wenig unnötigem Ballast. Es entwickelte sich ein unglaublich angenehmes, bereicherndes und vor allem sehr inspirierendes Gespräch. Es war einfach angenehm auch Menschen aus einer anderen Generation kennen zulernen, die ebenfalls mit Ihrem Denken und Ihrem Handeln in ihrer Umgebung aus der Reihe tanzen. Und so kam es, dass meine Freundin und ich vor wenigen Tagen einige Änderungen besprochen, beschlossen und auch direkt angegangen sind.

Weg mit dem Ballast

Ein jeder Mensch kennt das Problem. Unzählige Laden, Regale und Kästen sind prall gefüllt mit allerlei Klumpat, dass man zwar nicht missen möchte, aber eigentlich nie benützt. Wir wohnen nun seit genau einem Jahr in unserer Wohnung. Jetzt ist also der perfekte Zeitpunkt einmal ordentlich auszumisten. Frei nach dem Motto: Alles was wir innerhalb des letzten Jahres nicht benutzt oder vermisst haben wird verschenkt, verkauft oder entsorgt. Doch damit nicht genug! Auch einige Gegenstände, die nahezu täglich Verwendung finden, müssen die Wohnung räumen und Platz für neue Ideen, Kreativität und Entspannung machen. Unter anderem fällt in letzte Kategorie sowohl mein Laptop – der ursprünglich einmal fürs Studium gedacht war – als auch unser Fernseher. Ja ganz recht, der einzige Fernseher in unserer Wohnung muss das Feld räumen.

Ich muss gestehen ich bin gerade so hibbelig vor lauter Tatendrang, dass ich gar nicht weiß, welche Vorteile und Ziele ich zuerst aufzählen soll. Denn durch das Verkaufen unseres Fernsehers ersparen wir uns in Zukunft nicht nur die GIS, sondern wir bekommen auch ganz andere Möglichkeiten unser Wohnzimmer zu gestalten. Die Couch muss nicht mehr in Richtung TV gerichtet sein. Stattdessen können wir sie nun in jede beliebige Richtung drehen. Raus aus dem Gedankenkorsett und hinein in ein Wohnzimmer, dass genau so unkonventionell, gemütlich und verrückt ist wie wir. Weiters können wir durch den Verzicht auf das TV-Gerät auch unser Fernsehkasterl und die dazugehörige Vitrine aus der Wohnung bugsieren. Also noch mehr Platz! Auch unsere DVD & BluRay Sammlung wird drastisch verkleinert. Sämtliche Filme bzw. Serien, die wir mit Sicherheit im nächsten Jahr nicht noch einmal ansehen werden kommen weg.

Mehr Sehen ohne Fernseher

Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann steht der Fernseher für eine Welt mit der wir uns schlichtweg nicht mehr identifizieren können und auch wollen. Er ist ein stellvertretendes Symbol für unsere konsumgesteuerte Gesellschaft. Eine Kette am Fuß und nicht das versprochene Fenster in die weite Welt. Er steht für eine Welt in der Menschen Jahr ein, Jahr aus sparen, um sich endlich einen noch größeren und besseren Fernseher anschaffen zu können. Nur damit sie dann noch besser in andere, fremde Welten eintauchen können. Ist das nicht eigentlich absurd? Ich bin selbst großer Film- und Serienfan und habe bis dato viel Zeit vor dem TV-Gerät verbracht, aber ist das eigentlich so erstrebenswert? Sollte man nicht auch hier eigene Gewohnheiten hinterfragen und überlegen ob man das wirklich braucht?

Keine Sorge, ich verteufle hiermit nicht das Unterhaltungsmedium „Bewegtbild“ per se aber ich möchte mein eigenes Verhalten ändern. Denn durch mein großes Technikinteresse ertappe ich mich selbst immer wieder dabei, zu denken, dass ein größerer Fernseher schon ziemlich fein wäre. Doch genau diesen Gedanken wird nun ein Riegel vorgeschoben. In Zukunft werden Filme, Serien und sonstige Videos nur noch über den alten Laptop meiner Freundin oder über den Stand-PC konsumiert. Und wo wir schon bei meinem Interesse für Technik sind: Unser neuer Multimedia-Laptop wurde bereits von Windows 7 auf Ubuntu umgestellt und mein Standgerät wird demnächst auch Bekanntschaft mit dem kleinen Tux machen. Vorübergehend werden sich also Windows 7 und Ubuntu die Festplatte teilen. Das Ziel wäre es aber in naher Zukunft völlig auf Linux und andere Open Source Alternativen umzusteigen. Doch darüber werde ich in den nächsten Tagen bzw. Wochen noch einmal ausführlicher berichten. 😉

Volle Fahrt voraus!

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe jetzt Bock alten Krempel, seit Jahren nicht mehr getragene Hemden und allerlei anderes Zeug zusammenzupacken und aus der Wohnung zu schaffen. Ich werde jetzt die Titel unserer aussortierten DVDs und BluRays abtippen und die komplette Liste an die Familie, Freunde und Bekannte schicken. Vielleicht möchte ja jemand die eine oder andere davon. Es wird Zeit Veränderungen in Angriff zu nehmen und Ausreden beiseite zu schieben. 

Und weil es gerade so gut passt, gibt es heute noch eine musikalische Empfehlung für euch:

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Warum ist Bio eigentlich nicht normal?

Biolebensmittel sind besonders in den letzten Jahren wieder stark im Kommen. Sowohl der klassische Supermarkt bittet immer mehr Lebensmittel mit entsprechender Kennzeichnung als auch neue, reine Biosupermärkte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Doch warum gelten Lebensmittel, die nicht bio sind eigentlich als konventionell bzw. normal und Biolebensmittel sind die Ausnahme?

Österreich ist Bio Weltmeister

Sieht man sich die Verteilung zwischen konventionell und bio einmal genauer an, so sieht es laut BMLFUW* folgendermaßen aus: 21 % der landwirtschaftlichen Flächen Österreichs werden biologisch bewirtschaftet und 18% der landwirtschaftlichen Betriebe sind Biobetriebe (Stand 04/2015, Quelle). Und diese Zahlen sind glücklicherweise am Wachsen. Aber was für viele Menschen auf den ersten Blick nach viel klingen mag, ist noch nicht genug. Denn wenn wir die Daten aus der anderen Richtung betrachten, bekommt das Ganze einen ganz anderen Charakter. Nämlich dass auf 79% der landwirtschaftlichen Flächen Spritzmittel zum Einsatz kommen. Und das ist eine erschreckend hohe Zahl, wie ich finde. Auch wenn Österreich damit im weltweiten Vergleich sehr gut dasteht, wir müssen mehr tun. Es geht schließlich nicht darum besser als andere Länder zu sein, sondern zu versuchen bestmöglich mit den uns gegeben Ressourcen umzugehen. Schließlich sind wir nicht die letzte Generation auf diesem Planeten. Also, vermutlich nicht.

Mehr Profit ohne Rücksicht auf Verluste

Ich habe einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn wir biologische Lebensmittel, die nicht mit Spritzmitteln behandelt werden, in Zukunft als „normal“ bezeichnen und im Gegenzug behandelte Lebensmittel als „Nicht-Bio“ deklarieren? Damit wäre klar kommuniziert, dass Pflanzenschutzmittel eigentlich nichts im Essen verloren haben und die Ausnahme sein sollten. Und außerdem würde es endlich diesem Trend entgegen treten, dass alles was mit Umweltschutz und einem grünen Hintergrundgedanken in Verbindung steht, immer explizit gekennzeichnet wird, während Produkte mit umweltschädlichem Charakter immer als normal deklariert werden.

Ist es nicht absurd, dass der Mensch mit seinen lächerlichen 200.000 Jahren Existenz versucht unserem Planeten der immerhin bereits seit geschätzten 4,6 Milliarden Jahren existiert, Nachhilfe zu geben? Versteht mich nicht falsch, ich verstehe es absolut, dass Bauern versuchen eine möglichst große Ernte zu erhalten aber deswegen darf man nicht die Konsequenzen außer Acht lassen. Diverse Substanzen helfen sicherlich dabei, dass prozentual mehr Früchte von Schädlingen verschont bleiben und daher die Ernte besser ausfällt. Aber zu welchem Preis? Das Bienensterben kommt schließlich nicht von irgendwo, sondern wird unter anderem durch Spritzmittel massiv verstärkt. Denn was hilft uns jetzt billigeres Gemüse, wenn wir dadurch in den nächsten Jahren alle Nützlinge ausradieren?

natürlich statt synthetisch

Bio ist mehr als nur der Verzicht auf künstliche Spritzmittel. Bio steht auch für eine natürlichere Sortenvielfalt. Denn wenn man bewusst auf robustere Sorten setzt, dann braucht es auch keinerlei Schutzmittel. Mutter Natur hat nämlich mitgedacht und hat den Pflanzen eine tolle Fähigkeit mitgegeben, die Bäuerinnen und Bauern seit Jahrtausenden nutzen. Mit jedem Jahr, in dem man einen Teil der Ernte behält, um daraus neues Saatgut für das darauffolgende Jahr zu erzeugen, passen sich die Pflanzen besser an die vorherrschenden Bedingungen an. Setzt man allerdings auf Hybridsorten, wie sie derzeit auf dem Vormarsch sind, so entfällt dieser Vorteil. Denn landwirtschaftliche Betriebe, die auf Hybridsaatgut setzen müssen jedes Jahr neue Samen kaufen. Dadurch geraten sie in eine massive Abhängigkeit und müssen in weiterer Folge auch auf synthetische Spritzmittel zurückgreifen. Schließlich sind Pflanzen aus Hybridsaatgut nicht mehr anpassungsfähig.

Bio ist auch ein Gegenmodell zu riesigen Monokulturen, die durch die fehlende Vielfalt wesentlich anfälliger sind für Schädlinge und Krankheiten. Und selbstverständlich braucht es bei Monokulturen auch Unmengen an synthetischen Düngemitteln. Während man bei einer biologischen Anbauweise durch eine natürliche Fruchtfolge und die Verwendung von Gründung den Boden ohne Zugabe von künstlichen Mitteln aufwerten und Zeit zum Regenerieren geben kann. Dadurch wird einerseits unsere Umwelt geschont und andererseits begeben sich die Bäuerinnen und Bauern auch nicht in eine kostspielige Abhängigkeit gegenüber Saatgutkonzernen.

Normal ist relativ

Zur Zeit wird der Großteil der österreichischen Agrarflächen konventionell, also mit Spritzmitteln, bewirtschaftet. Aus dieser Perspektive ergibt es also durchaus Sinn, dass der Begriff „normal“ für konventionelle und behandelte Lebensmittel hergenommen wird. Gleichzeitig sorgt diese gesellschaftliche Bezeichnung aber dafür, dass Menschen vermittelt bekommen, diese Produkte inklusive Produktionszyklus sind die Norm und daher unbedenklich. Gekrönt wird das Ganze dann auch noch dadurch das Unternehmen konventionelle Produkte als „regional“ bzw. „österreichisch“ bezeichnen und in eine schöne, oftmals grüne Verpackung stecken, um einen Hauch von Natürlichkeit zu vermitteln. Sieht man einmal genauer hin, so bemerkt man schnell wie viele Produkte auf ein natürliches, regionales und traditionelles Branding setzen, um Werte zu vermitteln die eigentlich nichts mit dem Produkt zu tun haben.

Bio muss mehr werden als ein Trend

Natürlich sollte man auch bei biologischen Lebensmitteln nicht blindes Vertrauen walten lassen. Diese können ebenso wie konventionelle Lebensmittel etwas suggerieren, was so nicht zutrifft. Denn Bio Produkte können ebenso vom anderen Ende der Welt kommen, in unverrottbarem Plastik eingepackt sein oder aus gentechnisch verändertem Saatgut stammen. Es ist also nicht alles, wo Bio draufsteht auch automatisch gut für unsere Umwelt. Aber bei biologischen Lebensmitteln werden zumindest keine unnatürlichen Spritzmittel in die Atmosphäre und die Erde geblasen und das hilft nicht nur unserer Umwelt, sondern auch der Tierwelt und uns selbst. Denn wir leben schließlich alle auf demselben Planeten und sollten uns daher Fragen, ob es nicht klüger wäre, so mancher üblichen Herangehensweise einen anderen Stempel aufzudrücken.

*Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

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Die Melodie weist dem Text den Weg

Eine Information vorweg: Dies ist ein experimenteller Text, zu dem ich kurz meine Herangehensweise erläutern möchte. Der nachfolgende Artikel entstand beim Hören von bestimmten Musikstücken. Um in die richtige Gefühlslage zu kommen, empfehle ich am besten vor und während dem Lesen die folgende musikalische Untermalung: Ritornare & Oltremare von Ludovico Einaudi. Solltet ihr nicht im Besitz der passenden CD sein oder kein Kunde von bekannten Streamingdiensten sein, so findet ihr die beiden Stücke sicherlich auch auf einer bekannten Videoplattform. 😉

Es ist ein lauer und windiger Herbstabend. Der Wind bläst bereits seit Stunden ohne Unterbrechung. Es ist, als müssten die ersten verwelkten Blätter so schnell wie möglich von den Bäumen vertrieben werden, um Platz zu machen für die nächste Jahreszeit.

Ich sitze auf der Sitzbank und genieße gerade einige Lieder aus der Feder von Ludovico Einaudi. Es ist eine ruhige Melodie, die lediglich von einem sanft gespielten Klavier wiedergegeben wird. Es ist ein wunderschönes Wechselspiel aus vollen, kraftvollen Tönen und sanften, nur zaghaft angespielten Noten, die an mein Ohr dringen. Besonders die ruhigen Passagen ziehen mich in ihren Bann. Sie haben etwas Magisches an sich. Diese zarten und langsam ausklingenden Töne bringen Ruhe in mein unruhiges Ich.

Die perfekt gespielten Melodien verzaubern meinen Verstand. Sie vertreiben negative Gedanken, wehen sie regelrecht davon. In diesem Moment ist kein Platz für Schlechtes in meinem Inneren. Nur absolute Ruhe und Zufriedenheit haben nun die Möglichkeit sich zu entfalten. Sie öffnen Tür und Tor für fantasievolle und verspielte Gedanken. Mein Traum eines Tages ein Buch zu schreiben scheint in diesen Momenten mehr als nur greifbar. Ich weiß ich werde es schaffen und dieses lang gehegte Ziel erreichen. Ich muss nur an mich selbst glauben und meine Energie richtig einsetzen. Sie in die richtigen Bahnen lenken und einfach beginnen.

So wie ich in diesem Moment einfach begonnen habe. Mit einer leeren Seite, die Finger auf den Tasten liegend und siehe da, der Rest ergibt sich ganz von allein. Es ist ein Wechselspiel aus schnellem und zielsicherem Tippen und sanften, ja vielleicht sogar unsicheren Tastenanschlägen. So wie die Noten erklingen, schreibe ich Buchstabe für Buchstabe, wie eine einprägsame Melodie formuliere ich klare Sätze. Satz um Satz, Absatz um Absatz nähere ich mich dem fertigen Ganzen.

Die Melodie leitet einen sanften Ausklang ein und auch meine Schreibe wird langsamer. Ich lasse das Geschriebene noch einmal Revue passieren und beginne das Ende zu formulieren. Ein letzter, kurzer Höhepunkt lässt bei den Lesern nochmals das Herz höher schlagen, bevor es wirklich vorbei ist. Aus dem Augenwinkel erblicken sie bereits das nahende Ende. Viele Zeilen bleiben nicht mehr, bevor es vorbei ist.

Draußen bläst noch immer der Wind, als gebe es kein Morgen. Und vielleicht ist es auch so. Vielleicht gibt es kein Morgen, aber darüber mache ich mir heute keine Gedanken.

Ende…

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Vegan? Also ich könnte das ja nicht

Für viele Menschen ist es ein leidliches und anstrengendes Thema. Aber kaum ein Thema betrifft uns alle und vor allem auch unsere Umwelt in so einem Ausmaß wie unsere Ernährung. Wie die meisten von euch wohl wissen, lebe ich seit gut 2 Jahren vegan. Nicht nur was die Ernährung betrifft, sondern auch Dinge wie Leder, Daunen, etc. sind absolut tabu. Ich konsumiere und kaufe also nichts mehr, was direkt mit Tierleid in Verbindung steht. Bereits gekaufte Artikel wie zum Beispiel Schuhe die Lederelemente haben trage ich solange, bis sie kaputt sind. Schließlich möchte ich auch darauf achten nicht unnötig Ressourcen zu vernichten.

Etwas in Bewegung setzen

Am Anfang stand genau eine Frage: Warum sollte ich etwas unterstützen, das Tieren Leid zufügt bzw. sogar ihren Tod bedeutet, wenn ich privat nicht einmal eine Maus erschlagen könnte, ohne tagelange ein schlechtes Gewissen zu haben? Eigentlich logisch, oder? Denn warum andere Menschen für etwas bezahlen, was man selbst nicht übers Herz bringt? Und so kam es nach dutzenden Videos, Büchern, Vorträgen und einem halben Jahr vegetarischen Lebens dazu, dass ich den Entschluss fasste komplett vegan leben zu wollen.

Aber warum beschäftigt mich dieses Thema derzeit eigentlich so, dass ich jetzt darüber schreibe? Nun, weil es ein Thema ist, das einen ständig begleitet, wenn man sich einmal darauf einlässt. Egal ob es die sinkenden Temperaturen und damit wieder das vermehrte Auftauchen von Pelzkrägen sind oder die regelmäßigen Diskussionen. Denn Fragen á la: Warum man eigentlich keinen Honig isst und ob man nicht von selbst gehaltenen Hühnern doch vielleicht ein Ei essen würde, kommen ständig. Wenn man einmal diesen Weg eingeschlagen hat, dann muss man bereit sein sich ständig dafür zu rechtfertigen und man möchte vor allem auch andere davon überzeugen und es ihnen vorleben. Man möchte andere Menschen inspirieren und ihnen sagen: „Hey, schaut mal alle her! Es geht auch ohne den ganzen Blödsinn denn euch die Werbung tagtäglich verkaufen möchte!“

Versteh mich nicht falsch, ich beantworte diverse Fragen sehr gerne. Leider merkt man aber sehr oft, dass das Gegenüber eigentlich kein echtes Interesse daran hat. Denn egal wie viele Fragen man beantwortet, egal welche Lösungen man anbietet, in 99% der Fälle kommt als Schlusssatz: „Naja ich könnte das nicht!“ Und DAS ist ermüdend. Natürlich kann es jeder Mensch. Man müsste sich eben damit befassen und seinen Arsch hochbekommen. Der Mensch kann ALLES erreichen! Besonders wenn es um Dinge geht, die lediglich davon abhängig sind wo und für was ich mein Geld ausgebe. Wer wenn nicht wir selbst können in diesem Bereich federführend agieren und von heute auf Morgen alles umkrempeln?

Veganismus ist reine Kopfsache

Ich konnte mir den Schritt zu einem veganen Leben am Anfang auch nicht vorstellen. Aber ich kann euch sagen, es geht unglaublich einfach. Man muss nur mit dem Herzen dahinter stehen. Man muss überzeugt davon sein, das Richtige zu tun. Als guten Start empfehle ich sich einmal vor Augen zu führen, aus welchen Produktionsstätten die täglichen Lebensmittel stammen. Zum Beispiel wie in der konventionellen Viehhaltung mit Tieren umgegangen wird. Oder wie Tiere mit Medikamenten vollgepumpt werden, irrelevant, ob diese krank sind oder nicht. Wie Kühen ihre Kälber weggenommen werden, weil die Milch für den Verkauf gedacht ist und nicht für das Neugeborene. Und wie Kühe riesige und entzündete Euter mit sich herumtragen und enorme Schmerzen erleiden, nur damit unser eins sein Müsli mit Kuhmilch essen kann. Denn, wer hätte es gedacht, die tollen Bilder aus der Werbung, die mögen vielleicht auf echten Bauernhöfen gedreht worden sein, aber das was wir im Supermarkt bekommen, das stammt aus waschechten Tierfabriken. Egal ob Bio oder nicht. Hier zählt nicht ob es den Tieren gut geht, hier zählt nur der reine Profit.

Jeder Mensch kann sich ändern

Dabei müsste man doch nur seine Gewohnheit etwas ändern und statt Kuhmilch auf Soja-, Hafer-, Reis-, Kokus- oder Mandelmilch umsteigen. Es gibt zahllose Alternativen von dutzenden Herstellern. Da findet garantiert ein jeder die passende pflanzliche Alternative. Aber auch hier müsste man sich die Zeit nehmen und sich durchprobieren. Und ja ein Packerl Pflanzenmilch kostet mehr als ein Packerl Kuhmilch. Aber das ist kein Grund nicht umzusteigen. Wie wäre es, wenn man stattdessen einfach weniger Milch verbraucht und dafür auf eine pflanzliche Variante umsteigt? Vielleicht nur zwei Häferl Kaffee am Tag anstatt fünf?

Ich verstehe natürlich, dass Veränderungen von lieb gewonnen Gewohnheiten immer etwas Abschreckendes an sich haben. Aber ich bitte euch lediglich, sich einmal genauer mit dem Thema zu befassen. Ist es wirklich notwendig täglich Fleisch zu essen, literweise Milch zu trinken und Eier als Grundzutat für jegliche Mehlspeise zu nehmen? Nur weil es eben so ist? Weil es bei uns üblich ist? Ist das wirklich ein guter Grund für irgendetwas? Haben unsere Eltern uns nicht von klein auf eingeimpft, dass man nicht von der Brücke springen soll nur weil es jemand anderes auch macht? Ich verlange nichts Unmögliches von euch, aber ich bitte euch Dinge zu hinterfragen. Egal ob es dabei nun um einen Artikel in der Tageszeitung eurer Wahl geht, oder einen Blogpost hier auf diesen Blog. Seid kritisch, stellt Fragen und nehmt nichts als gegeben hin!

Fragen über Fragen

Hinterfragt vor allem den Nutzen von Produkten, die euch in der Werbung als „notwendig“ oder „unabdingbar“ verkauft werden. Wie zum Beispiel Milch. Warum geben Kühe eigentlich Milch? Damit sie wie jedes andere Säugetier auch ihre Kinder ernähren können und nicht um eine andere Spezies auch noch durchzufüttern. Wir brauchen diese ganzen Produkte auf Milchbasis nicht. Wir haben uns einreden lassen, dass man ohne Milch nicht groß und stark werden kann oder das man ohne Fleisch kein echter Mann ist. Aber sagt Letzteres doch einmal diesem Herrn ins Gesicht: Patrik Baboumian

„Veganer sind immer so radikal!“

Ich weiß, ich weiß. So wie ich es gerade schreibe, werde ich keinen davon überzeugen auf einen veganen oder zumindest vegetarischen Ernährungsplan umzusteigen. Ich rede den Leuten schließlich nur ein schlechtes Gewissen ein und hole sie nicht sanft und liebevoll ab. Um ihnen dann monatelang die Hand zu halten, bevor ich ihnen dann nach wochenlanger Planung einmal ein Stückchen Tofu zeigen darf. Sorry! Aber ich kann das im Moment einfach nicht. Es macht mich einfach krank zu sehen wie tausende Menschen tagtäglich zum Billa marschieren, um sich ihre Leberkässemmel zu holen oder eine Putenschinkensemmel – man achtet ja schließlich auf seine Linie – ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen was sie da eigentlich gerade gekauft haben. Woher dieses Produkt eigentlich stammt und welches unglaubliche Leid in dieser einen Scheibe Leberkäse steckt. Es ist ihnen schlichtweg egal.

Augen auf beim Einkaufen

Wenn ihr das nächste Mal in einem Supermarkt unterwegs seit, stellt euch einmal vor die Fleischtheke. Seht euch die schiere Masse an Fleisch an und überlegt dann einmal wie viele Supermärkte es allein in Österreich gibt. Ein jeder davon hat mindestens genau soviel Fleisch verkaufsfertig im Angebot, wie sich gerade vor euch befinden. Bei ungefähr 5000* Supermärkten allein in Österreich(!) kommt da einiges zusammen. Wem das noch nicht reicht, der kann sich dann noch die tausenden Restaurants und Imbissbuden dazu denken. Wollt ihr mir bei dieser unglaublichen Summe an Konsummöglichkeiten allen Ernstes noch erzählen, dass wir bei uns nur qualitativ hochwertiges Fleisch von glücklichen Kühen auf saftig grünen Wiesen haben?

Die Tatsachen liegen klipp und klar auf der Hand aber alle verschließen die Augen davor. Weil wir es ebenso gewohnt sind, weil es eben alle so machen und weil man es überall genauso serviert bekommt. Achtet einmal darauf, was in den Medien, auf Plakaten und auf Veranstaltungen alles eingetrichtert wird. Was man nicht alles braucht, um „ein echter Mann“ zu sein oder um „ein gesundes Immunsystem“ zu haben. Bullshit. Alles was uns die Werbung erzählt, ist schlicht und ergreifend Bullshit.

Jeder Mensch kann alles schaffen!

Ich verstehe es absolut, dass wenn man sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, es sehr extrem klingt, auf so viele Produkte in Zukunft zu verzichten. Aber es muss ja auch nicht von heute auf morgen passieren. Besser mit kleinen Schritten dem Ziel entgegen als gar keinen Schritt zu setzen. Daher wäre es schon super, wenn sich die Menschen mehr mit dem Thema befassen würden. Wenn Essen nicht mehr nur etwas Beiläufiges ist, was man eben tagtäglich erledigen muss, sondern auch wieder einen Wert zugerechnet bekommt. Schließlich handelt es sich bei unserer Nahrung um LEBENSmittel, ohne die wir schlichtweg nicht überleben können. Warum sollten wir also gerade in diesem essenziellen Bereich die Augen verschließen oder zwanghaft versuchen Geld einzusparen?

Mit der richtigen Einstellung und mit voller Überzeugung kann der Mensch alles erreichen, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Nutzen wir unsere Möglichkeiten doch dafür etwas besser zu machen auf dieser Welt und verzichten wir öfter auf unseren Vorteil. Denn Verzichten ist nichts Negatives, ganz im Gegenteil, Verzicht kann etwas total bereicherndes sein und wieder Bewusstsein schaffen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

*Anzahl der Supermärkte in Österreich (exkl. Zielpunkt) laut der folgenden Studie aus dem Jahre 2014
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