Sei frech und wild und wunderbar!

Sei frech und wild und wunderbar!

Es ist nur eines von dutzenden Zitaten von Astrid Lindgren, die es definitiv wert sind, verbreitet und in diesem Fall sogar gelebt zu werden. Denn wenn wir uns ehrlich sind, dann hat unser inneres Kind eigentlich fast immer recht. Vielleicht hat es nicht die perfekte Lösung für ein Problem parat, aber die Richtung ist immer die Richtige. Es stellt zum Beispiel die klassische Frage nach dem Warum so lange, bis einem die Erklärungen ausgehen. Und genau in diesen Momenten könnte man, vorausgesetzt man steht dem ganzen auch offen gegenüber, erkennen, was für absurde Normen eigentlich unser Leben bestimmen. Bevor nun Leute kommentieren, dass Gesetze und Regeln ein unabdingbarer Grundsatz für eine funktionierende Gesellschaft seien. Diese Art von Regeln und Gesetzen meine ich gar nicht. Ich rede von Vorschriften, wie wir uns wem gegenüber zu verhalten haben. Was wir uns anziehen sollen. Wie wir gefälligst auch diejenigen freundlich grüßen sollen, die sich hinterrucks das Maul über einen zerreißen. Oder ja brav den Titel erwähnen sollen, damit dieser Person auch regelmäßig bewusst wird, wie gut die Entscheidung eines Studiums nicht war.

Ein Kind hinterfragt alles und das aus gutem Grund!

Aber sind diese Dinge wirklich von Bedeutung? Reicht es nicht allen Lebewesen, unabhängig der Herkunft, Bildung und Gattung mit einer ordentlichen Portion Respekt und einem offenen Herzen zu begegnen? Sollte das nicht Grundsatz genug sein? Natürlich nicht, denn wenn eine Regel nicht klar ausformuliert ist, a la: Das darfst du und das darfst du nicht! Dann bleibt Spielraum für Interpretationen. So sehen viele Menschen zum Beispiel das Aufziehen und Halten von Tieren rein zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion als durchaus respektvollen Umgang mit anderen Lebewesen. Bis zur Schlachtung geht es ihnen ja schließlich gut. Sie leben doch alle glücklich auf ihren Weiden, fressen frisches Gras und genießen ein sorgenfreies, entspanntes Leben.

Aber ist diese Auslegung wirklich vertretbar? Selbst wenn ein Tier über Jahre hinweg ein gutes und entspanntes Leben führen darf, darf sich der Mensch dennoch das Recht herausnehmen, über das Leben eines anderen Lebewesens zu richten? Darf ein Mensch sagen: „Bis hierhin hast du gut gelebt, also ist es absolut in Ordnung, dass ich dich jetzt töte.“ und damit ist der Fall erledigt? Was würde unser inneres Kind oder besser gesagt unser kindliches Ich zu so einer Aussage sagen? Wenn wir uns ehrlich sind, er bzw. sie wäre wohl nicht begeistert. Jetzt werden einige denken, dass ein Kind auch naiv ist und noch gar nicht weiß, wie es in unserer Welt so läuft. Aber ist das eine gute Rechtfertigung? Hat das Kind nicht doch recht damit, wenn es behauptet, dass man ein anderes Tier nicht töten darf? Hat das gute bzw. schlechte Leben wirklich etwas damit zu tun, ob das Töten gerechtfertigt ist?

Ein Kind denkt einfacher

Durch unsere Erziehung und das jahrelange Leben in unserer Gesellschaft lernen wir gewisse Dinge einfach hinzunehmen. Wir eignen uns die Fähigkeit an, die Augen vor Ungerechtigkeiten zu verschließen, uns selbst von der Verantwortung zu entbinden und andere für unser Glück bzw. Unglück verantwortlich zu machen. Schließlich sind wir nur eine einzige Person in einem Sammelsurium aus Abermillionen anderer Personen. Wie sollen wir angesichts dieser Tatsache tatsächlich etwas verändern können? Die Antwort ist ganz einfach. Wir können nicht von heute auf morgen Normen und Konventionen abschaffen, die über dutzende Jahre, wenn nicht sogar Jahrhunderte entstanden und gewachsen sind. Aber mit vielen kleinen Schritten können wir andere Menschen inspirieren, ihnen Alternativen aufzeigen und sie darin bestärken selbst Handlungen zu setzen. Und sind es nicht diese Momente, in denen man einen anderen Menschen wirklich erreicht, tausendmal mehr wert als jedes Produkt und jeder Titel, den wir erwerben können?

Werte verändern sich mit dem Alter

Kinder haben uns in vielerlei Hinsicht etwas voraus. Sie können unvoreingenommen an neue Fragen, Menschen und Herausforderungen herantreten. Sie erkennen sofort, wenn etwas falsch läuft und im Gegensatz zu uns suchen sie dann nicht einen Weg um es zu rechtfertigen, sondern sie suchen nach Lösungen. Wenn es um ihren eigenen Weg geht, lassen sie sich von niemand dreinreden. Sie gehen ihren eigenen Weg. Sei es nun was die Wahl der Ernährung, der Kleidung oder der Themen angeht, für die sie sich interessieren. Kinder haben noch das Recht frech, wild und wunderbar zu sein. In der Welt der Erwachsenen wird dies aber nicht gerne gesehen, hier gelten andere Werte. Hier gilt es sich gegenseitig im Mitschwimmen zu übertrumpfen, massenhaft Geld zu verdienen und reichlich Geld auszugeben, um als gemachter Mann bzw. Frau zu gelten.

Aber unter uns, wer hat sich nicht schon des Öfteren gewünscht einfach eine Rutsche hinabzurutschen, lauthals die eigene Freude hinauszubrüllen, lachend durch Wasserlacken zu laufen oder eine Sandburg zu bauen? Ohne dabei an die Blicke der umstehenden Menschen zu denken. Ohne dabei an das teure Smartphone, die neue Hose oder das frisch gewaschene Hemd zu denken. Nehmt euch ein Beispiel an den Kindern. Macht worauf ihr Lust habt und vergesst die Blicke der anderen Leute. Denn jeder von uns ist wunderbar und verdient es, frech und wild sein zu dürfen.

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