Bedingungsloses Grundeinkommen: Freiheit statt Zwang

Spätestens seit Anfang Juni als die Schweizer über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (= BGE) abgestimmt haben, ist das Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Und obwohl unsere Nachbarn den Antrag abgelehnt haben, so gab es doch eine Zustimmung von immerhin 23 Prozent. Für einen ersten Versuch ein sehr gutes Ergebnis, dass vor allem für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema sorgen wird. Doch was ist mit einem bedingungslosen Grundeinkommen eigentlich gemeint? Und würde dann überhaupt noch jemand arbeiten gehen?

Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es der Name bereits vermuten lässt, gewährt jedem Menschen ein festgelegtes und gleich hohes monatliches Grundeinkommen. Der Clou an der Sache: Es muss keine Gegenleistung erbracht werden. Unabhängig davon, ob man Langzeitarbeitsloser, frischer Schulabgänger oder Angestellter ist. Jeder Mensch würde garantiert eine bestimmte Summe im Monat ausgezahlt bekommen. Wer mehr verdienen möchte, kann natürlich weiterhin einem Job nachgehen und sich dadurch das eigene Konto aufbessern. Dafür wären bisherige Sozialleistungen, wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Mindestsicherung, etc. durch das BGE ersetzt bzw. obsolet.

Wer würde dann noch arbeiten?

Kaum jemand würde nach der Einführung des BGE nicht mehr arbeiten gehen. Allerdings glaubt nahezu jeder, dass alle Anderen nicht mehr arbeiten gehen würden. Ist das nicht ein bisschen absurd? Natürlich würden Menschen weiterhin arbeiten gehen, allein schon um mehr Geld auf dem Konto zu haben und um sich mehr leisten zu können. Würde ein BGE in Österreich eingeführt werden, dann würden wir vermutlich von ungefähr 1000 € pro Monat sprechen. Das ist bei Weitem keine Riesensumme, von der man in Saus und Braus leben könnte, aber es wäre genug um nicht Existenzängste haben zu müssen.

Es nimmt den Menschen den Druck

Burn-out, Überstunden & Langzeitarbeitslose sind nur drei stellvertretende Begriffe, für verbreitete und akzeptierte Nebenerscheinungen unserer modernen und fortschrittlichen Gesellschaft. Arbeit ist nicht mehr eine Chance zur Selbstverwirklichung, sondern wurde degradiert zur reinen Lohnarbeit mit nur einem Zweck: Geld verdienen. Denn ohne Geld kommt man bekanntlich nicht weit. Zumindest in unseren Breitengraden. Wie man sich vorstellen kann oder vielleicht bereits am eigenen Leib erfahren hat, erzeugt diese Tatsache einen gewissen Druck. Vor allem Menschen, die keine Ausbildung, ein gewisses Alter oder einen Job gelernt haben, der auf wenig Nachfrage stößt, spüren diesen. Sei es der Druck sich ständig erklären zu müssen, warum man nicht etwas anderes gelernt hat bzw. bereits früher etwas für schlechte Zeiten beiseitegelegt hat. Oder die Angst ob man sich morgen überhaupt noch die Miete bzw. etwas zu Essen leisten kann. So oder so keine schöne Vorstellung.

Auch wenn es mittlerweile Usus sein mag Druck als Motivator zu missbrauchen, so halte ich es dennoch für den falschen Weg. Denn wollen wir wirklich von Menschen umgeben sein, die nur Lohnarbeit verrichten, um zu überleben? Nur weil Geld als Druckmittel so gut funktioniert? Wäre eine Gesellschaft abseits von Zwängen nicht eine viel lebenswertere und erstrebenswertere? Eine Gesellschaft, in der jede Frau und jeder Mann entscheiden kann, was sie bzw. er tun möchte, ohne permanent in eine vorbestimmte Richtung gedrückt zu werden. Und ohne dem permanenten Herunterbeten der immer gleichen phrasenhaften Ausreden à la: „Das Leben ist nunmal hart“, „Hätte ich früher doch nur was Anständiges gelernt“ und „Irgendwer muss das doch schließlich machen“.

Aber wer macht dann noch die ganzen Drecksjobs?

Ganz einfach: niemand. Außer natürlich wir würden diese Jobs in Zukunft ausreichend entlohnen, für ordentliche Arbeitsbedingungen und -zeiten sorgen und den Menschen, die diese Arbeiten verrichten, endlich mehr Wertschätzung entgegen bringen. Wir alle wissen, dass es sich um unwürdige und schlecht bezahlte Drecksjobs handelt. Dennoch tolerieren wir es, dass Menschen diese Tätigkeiten erledigen, weil sie keine andere Wahl haben und auf das Geld angewiesen sind. Und nur weil es sich dabei um Jobs handelt, die jede bzw. jeder machen kann, heißt das nicht, dass wir diejenigen auch noch unterdrücken und schlecht bezahlen dürfen. Wenn es allerdings ein BGE in unserem Land gäbe, so würden wir diesen Menschen auch die Entscheidungsfreiheit geben, ob sie den Job weiterhin ausüben möchten oder nicht.

Was würdet ihr tun?

Bevor ich mir nun dutzende Fragen zur Umsetzung schickt, beantwortet für euch selbst die folgenden Fragen: Was würdet ihr tun, wenn ihr ein bedingungsloses Grundeinkommen hättet? Was würdet ihr tun, wenn egal was auch passiert, eure Fixkosten auf jeden Fall gedeckt wären und ihr euch darüber keine Sorgen mehr machen müsstet? Würdet ihr weiterhin im selben Job arbeiten? Würdet ihr genauso weiterleben wie bisher? Oder würdet ihr euch vielleicht, dank dieser Sicherheit, endlich dazu aufraffen, eine Veränderung in eurem Leben durchzuführen? Wie wäre es endlich etwas in Angriff nehmen zu können, das ihr bereits zahllose Jahre vor euch hergeschoben habt, weil es neben einer Vollzeitanstellung einfach nicht machbar ist?

Wäre das nicht eine super Sache? Wäre das nicht eine Chance für alle Menschen endlich das tun zu können, was ihnen wirklich Spaß macht? Nun werden einige denken, das Leben ist aber nicht nur Spaß. Aber warum ist das überhaupt so und kann man das nicht wieder ändern? Natürlich kann so etwas nicht von heute auf morgen eingeführt werden und alle sind glücklich. Aber ich finde, es ist ein Ziel, das es wert ist zu verfolgen.

Mehr Informationen gefällig?

Für alle, die nun mehr zum Thema lesen möchten, empfehle ich die folgende Webseite zur Schweizer Volksabstimmung zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen. Das folgende Interview mit dem Gründer der Webseite Mein-Grundeinkommen.de. Und für alle, die nicht mehr abwarten wollen, bis das bedingungslose Grundeinkommen endlich eingeführt wird, auf Mein-Grundeinkommen.de könnt ihr regelmäßig Grundeinkommen für ein Jahr gewinnen. Ohne jegliche Bedingungen versteht sich. 🙂